An die schönen Texte

Die Buchmesse in Leipzig mag Schuld daran sein, dass ich erst jetzt dazu komme, etwas über das Mumford & Sons-Konzert in München zu sagen, sie ist aber auch ausschlaggebend dafür, dass ich jetzt ganz genau weiß, was ich über diese Band zu erzählen habe, mal abgesehen davon, dass ich sie zurzeit rauf und runter und wieder rauf höre.

Jedenfalls: Die Bahnfahrt nach Leipzig habe ich dazu genutzt, die Texte der Mumfords mitzulesen. Nicht, dass Marcus Mumford derart nuschelt, dass es ohne nicht ginge (ganz im Gegenteil, beim Konzert war fast jedes Wort zu verstehen!). Aber man kennt das ja: Da hört man einen Song, macht sich erstmal nur Gedanken über die Musik, achtet gar nicht auf den Text, singt aber trotzdem mit und DAS kommt dabei raus.

Das Erste, das mir beim Konzert im Münchner Zenith aufgefallen ist: Die Mumfords verstehen sich darauf, aus einem bedächtig beginnenden Stück eine dramatische Hymne zu schrauben, ähnlich wie meine Lieblingsband Muse das schon seit Jahren zelebriert. „Thistle & Weeds“ (ab 1:38) ist das beste Beispiel dafür …

… und dann der Text:

Spare me your judgements and spare me your dreams
Cause recently mine have been tearing my seams
I sit alone in this winter clarity which clouds my mind
Alone in the wind and the rain you left me
It’s getting dark darling, too dark to see
And I’m on my knees, and your faith in shreds, it seems

Hach, oder? Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, WAS Marcus Mumford da erzählt, sondern viel mehr um seine Art, mit Wörtern umzugehen. Darin liegt doch die Kunst, egal ob beim Schreiben eines Romans, eines Gedichtes oder eines Songtextes: Die Wahl der Wörter, ihre Anordnung, die Bilder, die dadurch entstehen, und vor allem der Klang, den sie dadurch annehmen. Es gibt so unglaublich viele Songs mit so ungeheuerlich banalen Texten (nein, nicht nur von Lady Gaga!), dass es doch wirklich einmal Zeit wird, die schönen Texte zu würdigen. Zum Beispiel diese:

Ich sitze nur noch hinterm Haus
in einem alten Liegestuhl
und aus meinem Mund kommt Rauch
und aus allen beiden Nasenlöchern auch
Die blas‘ ich dahin wo der Wind
daraus ein Vogelhäuschen formt
Der nächste Winter kommt bestimmt,
da will ich, dass auch alle Vögel glücklich sind
(„Seit der Himmel“, Element of Crime)

When I was just a baby,
My Mama told me, „Son,
Always be a good boy,
Don’t ever play with guns“,
But I shot a man in Reno,
Just to watch him die,
When I hear that whistle blowin‘,
I hang my head and cry.
(„Falsom Prison Blues“, Johnny Cash)

I‘ve heard there was a secret chord
That David played, and it pleased the Lord
But you don‘t really care for music, do you?
It goes like this
The fourth, the fith
The minor fall, the major lift
The baffled king composing Hallelujah
(„Hallelujah“, Leonard Cohen)

So I start a revolution from my bed
Cause you said the brains I have went to my head
Step outside the summertime’s in bloom
Stand up besides the fireplace
Take that look from off your face
Cause you ain’t ever gonna burn my heart out
(„Don‘t Look Back In Anger“, Oasis)

All I ever wanted
All I ever needed
Is here in my arms
Words are very unnecessary
They can only do harm
(„Enjoy The Silence“, Depeche Mode)

(Mehr schöne Songzeilen und gelungene Romananfänge gibt es übrigens in dem Museum der schönen Sätze.

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